Jan Assmann erhält Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa 2016
4. Juli 2016
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ehrt mit dem Ägyptologen und Kulturwissenschaftler Jan Assmann einen Wissenschaftler, der mit weitgespannter Gelehrsamkeit und begrifflichem Scharfsinn die Religionsgeschichte unserer Kultur befragt. Er habe weite Bereiche der kulturwissenschaftlichen Forschung auf neue Grundlagen gestellt und damit „die geistigen Überlieferungen Europas neu lesbar gemacht“, begründet die Jury.
Aus der Begründung:
„Jan Assmann hat mit einer an Sigmund Freud erinnernden Kraft des Analysierens und Erzählens, mit weitgespannter Gelehrsamkeit und begrifflichem Scharfsinn die Religionsgeschichte unserer Kultur befragt. Seine Verbindung von Archäologie und Gedächtnisgeschichte und der damit geschaffene neue Begriff von Tradition haben weite Bereiche der kulturwissenschaftlichen Forschung auf neue Grundlagen gestellt. Seine Arbeiten haben damit die geistigen Überlieferungen Europas neu lesbar gemacht, von der altägyptischen Literatur über die jüdisch-christlichen Testamente bis zur Musik Händels und Mozarts und dem Romanwerk Thomas Manns.
Die Fülle von Jan Assmanns Forschungsgegenständen sucht ebenso ihresgleichen wie die Konsequenz seines Zugriffs und seine Fähigkeit zur Selbstrevision. Er wurde damit zu einem der bedeutendsten, dabei auch zu einem der am besten schreibenden Kulturtheoretiker unserer Zeit.“
Jan Assmann lehrte von 1976 bis zu seiner Emeritierung 2003 Ägyptologie an der Universität Heidelberg. Seit 2005 ist er Honorarprofessor für Kulturwissenschaft und Religionstheorie in Konstanz. Zusammen mit der Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann prägte er den Begriff des „Kulturellen Gedächtnisses“, der zu einem Leitbegriff der Kulturwissenschaften wurde. Jan Assmann ist maßgeblich beteiligter Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Kulturelle Grundlagen von Integration“.
Zu seinen neueren Veröffentlichungen zählen: Exodus. Die Revolution der Alten Welt (2015), Die Zauberflöte (2015) und Die Gott-Mythologien der Josephsromane (2013). Jan Assmann wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Max-Planck-Forschungspreis (1996), Prix européen de l’essai Charles Veillon (2007), Thomas-Mann-Preis (2011).
Der Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa wird seit 1964 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen. Der Preis wird von der Entega Stiftung gefördert.
Die letzten Trägerinnen und Träger des Freud-Preises sind:
2015 Peter Eisenberg
2014 Jürgen Osterhammel
2013 Angelika Neuwirth
2012 Ernst-Wolfgang Böckenförde
- Links:
- Weitere Informationen zum Preis: www.deutscheakademie.de/de/auszeichnungen/sigmund-freud-preis